Krankenhäuser am Limit

Die Corona-Pandemie bringt sie ans Licht: die Schwachpunkte des deutschen Gesundheitssystems! Aus deutschen Kliniken schallen Hilferufe. Unter Mitarbeitern, selbst unter Ärztinnen und Ärzten, machen sich Wut, Stress und Panik breit. Und das nicht erst seit Beginn der Pandemie. An Gewinnen orientierte Pflegeschlüssel, extreme Arbeitsbelastung, schlechtes Betriebsklima, Unzufriedenheit – die Pflegenden wollen sich nicht mit Applaus abspeisen lassen. Trotzdem nutzen wohl einige Kliniken die Krise zur Totalsanierung – samt Entlassungen. Die Opfer sind auch wir – die Patienten.

Es hagelt Kritik: an der fortschreitenden Privatisierung, an schlechten Arbeitsbedingungen, an der Ungleichbehandlung. Beispiel Krankenkasse. Wer die hohen Beiträge der privaten Krankenversicherung zahlen kann, bekommt oft die schnellere und bessere medizinische Leistung. Sozialforscher fordern deshalb eine Einheitskrankenkasse, in die alle einzahlen. Sie sei günstiger, effektiver und gerechter. Stimmt das? Warum gibt es sie dann noch nicht im Sozialstaat Deutschland?

Das Covid-19-Virus und kein Ende. Es macht nicht nur Menschen krank, es verstärkt die Symptome des stark angeschlagenen Gesundheitssektors.

Jammern die Deutschen, wie so oft, auf hohem Niveau? Tatsächlich hat sich das deutsche Gesundheitssystem in der  Corona-Pandemie bewährt. Im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten standen hier ausreichend Intensivbetten zur Verfügung.  Doch Experten warnen: Die strukturellen Probleme der Branche sind riesig. Spätestens 2022 drohen vermehrt Klinikpleiten – und vor allem: ein Qualitätsverlust in der Gesundheitsversorgung! Das Engagement von Pflegerinnen, Pflegern und Ärzte hat bisher schlimmeres vermieden. Doch die Belastungsgrenze ist längst erreicht. Auch die Hausärzte klagen. Der Nachwuchs bleibt aus. Sind „Medizinische Versorgungszentren“ die Lösung für die Landbevölkerung oder doch nur neue Einnahmequelle für Gesundheitskonzerne?

Brauchen wir eine radikale Reform im Gesundheitswesen? Noch mehr Konkurrenz, noch mehr Gewinnstreben?  Dass es ohne private Investoren geht, haben andere Länder bewiesen: Beispiel Dänemark. Das Land schaffte es mit sehr viel weniger Betten durch die Krise, hat eine hohe Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheit. Alle werden gleich behandelt. Und: Der Bürger zahlt pro Kopf deutlich weniger für seine Gesundheit als in Deutschland. Und hierzulande? Wankt das deutsche Gesundheitssystem nach der Corona? Wie kann eine sinnvolle und finanzierbare Reform aussehen? Betroffene und Experten, wie Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse, Ex-Olympiasiegerin und VdK-Präsidentin Verena Bentele sowie der medizinische Chef der „Superklinik“ AUH in Dänemark schildern unterschiedliche Perspektiven.

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