ZDFinfo – Gedopte Gesellschaft

ADHS – die Verhaltensstörung zählt zu den häufigsten psychischen Störungen unter Kindern und Jugendlichen. Rund die Hälfte der Betroffenen wird mit Medikamenten wie z.B. Ritalin behandelt. Doch die Krankheit ist umstritten. Ebenso die Medikamente. Für die einen sind sie ein Segen, für andere „Kinder-Koks“. Denn ihr Wirkstoff zählt wie Kokain zur Familie der Amphetamine. Das macht Ritalin zunehmend interessant für Gesunde. Denn bei ihnen wirkt es wie ein Aufputschmittel, unterdrückt Hunger oder Müdigkeit, schärft die Konzentration. Deshalb nehmen es immer mehr Berufstätige, Studenten oder auch Schüler – in Prüfungszeiten bis zu 90 Prozent einer Klasse, warnt Aline Akel. Die Polizeihauptkommissarin bekämpft Doping im Alltag und weiß: Ritalin ist leicht verfügbar, z.B. über das Internet, meistens aber über Mitschüler. Das hat auch der angehende Abiturient Douglas erlebt. Sein ehemaliger Klassenkamerad dealt mit dem Medikament. Weil er ADHS hat, bekommt er es verschrieben. Das Problem: Ärzte diagnostizieren die Verhaltensstörung immer öfter und verschreiben Mittel wie Ritalin. Der Erwerb von Methylphenidat, dem Wirkstoff in Ritalin, durch Apotheken, ist innerhalb von zwanzig Jahren um über 5000 Prozent gestiegen. Experten kritisieren, dass Deutschland aufgrund vieler falscher Diagnosen von ADHS-Medikamenten überschwemmt werde – das treibe den Missbrauch an. Vor allem warnen sie Gesunde davor. Denn die Nebenwirkungen sind fatal. Warum nehmen es dennoch immer mehr Menschen? Welche Folgen hat es für sie und unsere Gesellschaft – in der Höchstleistung, am besten rund um die Uhr, immer beliebter zu werden scheint? Und was tut Deutschland dagegen?

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