ZDFinfo – Medaillen um jeden Preis

Die Partei, die Stasi und der Sport

Die DDR mit ihren nur 17 Millionen Einwohnern wird zum „Sportwunderland“.

Im Sport kann sie der ganzen Welt die Überlegenheit des Sozialismus über den westlichen Kapitalismus und Imperialismus beweisen. Bereits bei den ersten Olympischen Spielen, München 1972, an denen die DDR gleichberechtigt mit eigener Fahne und Hymne teilnehmen darf, belegt sie mit 66 Medaillen den dritten Platz nach der Sowjetunion und den USA. Ein großartiger Triumph.

Das lässt sich die DDR viel kosten – am Ende pro Jahr fast eine Milliarde Mark. Dafür sind ihr alle Mittel recht – von der Bespitzelung bis zum Zwangsdoping, selbst von Kindern. Und wer sich nicht systemkonform verhält – und wenn er nur Kontakt zu Angehörigen im Westen hat – wird gnadenlos ausdelegiert. Das Ministerium für Staatssicherheit unterhält eine eigene Abteilung mit 660 hauptamtlichen Mitarbeitern für die Überwachung des Sports.

Bereits im Kindergarten werden mögliche Sporttalente gesichtet und ausgewählt, an den jährlichen Kinder- und Jugendspartakiaden nehmen weit über eine Million Kinder und Jugendliche teil, die Besten dürfen dann eine der 25 Kinder- und Jugendsportschulen besuchen. Dort wird nicht nur gelernt, sondern täglich auch bis zu fünf Stunden trainiert.

Das alles gilt in erster Linie für die Medaillen-trächtigen olympischen Disziplinen. Bereits 1970 werden einige Sportarten zu Sport II abgestuft, sie sind nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt förderungswürdig. Das gilt auch für den Breitensport, sofern er nicht zur Talentschmiede taugt.

Die Dokumentation vermittelt vielfältige Einblicke in das Sportsystem der DDR, wo der Sport in erster Linie Mittel zum Zweck war und die Sportler als „Diplomaten im Trainingsanzug“ zum Ruhme der Republik weltweit ihren Beitrag zu leisten hatten.

 

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