ZDFinfo – Milliarden-geschäft Porno

Pornografie gibt es schon seit der Antike und sie dient der Aufklärung, so der Volksglaube. Doch weit gefehlt. Von Pornografie sprechen Experten erst seit es Massenmedien gibt und nur zur Aufklärung dient sie schon lange nicht mehr. Sie befindet sich in einem radikalen Wandel. Durch das Internet entstand eine komplett neues Porno-Genre: Kostenlos und frei verfügbar – auch für Kinder. Billig gedrehte Filme mit Amateuren und Webcam-Girls, mit denen Konsumenten sogar selbst Sex haben können. Eine von ihnen ist Mara aus Bayern. Die 29-Jährige ist seit fast zwei Jahren dabei. Sie war Meisterin der Floristik. Über ihren Mann findet sie dann den Weg in die Pornografie. Im Internet werden heute alle sexuellen Neigungen befriedigt – bizarrste, perverseste Formen. Pornografie ist ein Milliardengeschäft. Und mittendrin: Deutschland! Niemand schaut mehr Pornos als wir Deutschen – wir sind Pornoweltmeister. Viele profitieren davon und immer mehr machen dabei mit. Zum Beispiel Fiona. So lautet zumindest der Name, den sie sich im Internet gegeben hat.  Die angeblich 21- Jährige will Pornodarstellerin werden, steht zum Zeitpunkt der Dreharbeiten kurz vor dem Einstieg, bei dem sie begleitet wird – von einem Manager und der Dokumentation. Zweifel hat sie keine. Pornografie sei längst Teil unserer modernen Gesellschaft.

Doch es gibt mehrere tiefe Schattenseiten, warnen Experten. Eine davon: Pornos sind so gefährlich wie Drogen, manche vergleichen es mit Kokain. Es gibt immer mehr Süchtige. Sie bekommen ein falsches Bild von Sexualität, fügen Frauen Gewalt zu, wie im Porno – sie kennen es ja nicht anders. So wie Rocco aus Leipzig. Er gehört zur sogenannten Generation Porno und sagt: Pornos zerstören dein Leben. Der 21-Jährige war fünf Jahre lang süchtig. Mit elf fängt er an. Sein erstes Mal Selbstbefriedigung ist zu einem Porno. Mit dreizehn bekommt er ein Handy, es verschlimmert seine Sucht. Rocco braucht immer härtere Filme, Gewalt, die er auch auf sein Sexleben überträgt. Sabine Maschke hat sexuelle Gewalt gegen Schüler erforscht. Die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Marburg hat dazu fast 3000 Schüler befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend: Sexuelle Gewalt ist Alltag für Jugendliche. Und: Der häufige Konsum von Pornografie erhöht die Wahrscheinlichkeit für sexuelle Übergriffe. Eine weitere Studie zeigt: Jugendliche und Kinder werden immer früher mit Pornos konfrontiert – häufig ungewollt. Es kann sie ein Leben lang schädigen. So ist es auch bei Sindy. Die 29-Jährige hat als 9-Jährige ihren ersten Kontakt zu Pornos, es hat sie für immer geschädigt. Sie übernimmt das Verhalten der Darstellerinnen, lebt den sogenannten Porno-Lifestyle. Sie hat mit Hunderten Männer Sex, erlebt dabei Missbrauch, Nötigung und Vergewaltigung.

Eine weitere Schattenseite betrifft die Darsteller? Ihre Arbeitsbedingungen haben sich extrem verschlechtert. Sie müssen immer mehr bieten, werden erniedrigt, gedemütigt, geschlagen. Laut Experten wurden fast 90 Prozent von ihnen bereits in ihrer Kindheit sexuell missbraucht, viele von ihnen sind traumatisiert. Auch Nora. Ihr Name ist geändert, sie will nicht erkannt werden. Nora war vier Jahre Pornodarstellerin, wäre fast daran zu Grunde gegangen. Sie sagt: Die Branche wird immer schlimmer. Pornografie sei Prostitution, oft Zwangsprostitution. Die 29-Jährige wird in ihrer Kindheit missbraucht, später von ihrer Mutter in die Pornografie gedrängt. Dort wird sie geschlagen, vergewaltigt, ausgebeutet. Um alles zu ertragen trinkt sie Alkohol, nimmt auch Drogen. So wie laut Insidern 90 Prozent aller Darsteller.

Aber sind die Schattenseiten Grund genug eine ganze Branche zu verteufeln oder an Verbote zu denken?

Dieser Frage geht die Dokumentation nach. „Nein“ sagen die, die Pornographie als legitimen Teil einer liberalen Gesellschaft sehen.  „Ja“ sagen nicht wenige Kritiker und schlagen Alarm: Wir zerstören eine ganze Generation, eine ganze Gesellschaft, wenn wir nicht etwas dagegen unternehmen. Pornografie sei der Einstieg in die Prostitution und umgekehrt. Mit all ihren dramatischen Folgen – Menschenhandel, Ausbeutung, Gewalt.

Wo soll das enden?

Dazu wirft der Film einen Blick in die USA. Es gilt als das Mekka der Pornobranche. Im San Vernando Valley, auch Porn-Valley genannt, werden rund 90 Prozent aller Pornofilme produziert, die weltweit auf dem Markt sind. Es liegt nur wenige Kilometer von Hollywood entfernt. Im Porn Valley wird mit Pornografie Schätzungen zufolge ein höherer Umsatz erzielt, als mit Spielfilmen in Hollywood. Doch es gibt auch hier tiefe Schattenseiten. Eine Todesserie unter Darstellerinnen und ein HIV-Skandal erschüttern die Branche. Am Kampf um Kondom-Gesetze wird die Macht der Pornoindustrie deutlich.

Was kann man gegen die freie Verfügbarkeit von Internetpornografie tun?

Das wird in Großbritannien deutlich. Hier hat die Regierung bereits 2014 damit begonnen, die Gesetze diesbezüglich massiv zu verschärfen – zum Schutz der Jugend. Angefangen hat alles mit Protesten von aufgebrachten Eltern.

Warum tut bei uns niemand etwas dagegen?

Laut Insidern habe Deutschland keinerlei Interesse, an der freien Verfügbarkeit von Pornografie etwas zu ändern. In der Dokumentation wird klar: Dahinter stecken Lobbyisten aus verschiedenen Branchen, die am Milliardengeschäft Pornografie Millionen verdienen und die Gesetzgebung beeinflussen. Die Folge: Eine pornografisierte Gesellschaft.

 

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