ZDFinfo – Shisha

In Deutschland gibt es 6.000 Shisha-Bars, das sind mehr Lokale als McDonalds, Burger King und alle deutschen Kinos zusammengenommen. Die Shisha liegt im Trend und ist ein riesiger Markt geworden.

Besonders bei jungen Menschen ist die Shisha beliebt. Während die Zahlen für Zigarettenrauchen seit Jahren rückläufig sind, steigen die für die Shisha an. Jeder vierte Jugendliche hat schon einmal eine Shisha geraucht. Bei den jungen Erwachsenen haben fast 70% schon einmal eine Shisha probiert.

Die Zahlen erstaunen. Denn die Gesetze zum Jugendschutz legen fest, dass Jugendliche weder Tabak, noch Shishas (auch keine E-Shishas) kaufen dürfen (auch nicht in Online-Shops) und in der Öffentlichkeit auch nicht nikotinhaltige Produkte rauchen dürfen. Eine echte Kontrolle findet meist weder im Internet, noch in den Shisha-Bars oder sozialen Medien statt. Daniela Ludwig, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, sieht hier Handlungsbedarf und die Länder in der Pflicht.

Die Wurzeln der Shisha liegen im arabischen Raum, zum Beispiel in Ägypten, Tunesien, der Türkei. Hier gilt sie als Zeichen der Gastfreundschaft und der Geselligkeit. In der Dokumentation reisen wir zu den Wurzeln und besuchen einen traditionellen Shisha-Bauer in Tunesien. Wir dokumentieren die Tradition des Glasblasens und zeigen in der Hauptstadt Tunis die Gegensätze zwischen den ursprünglichen Männer-Cafés und den hippen Shisha-Bars der Jugend.

In Deutschland gibt es ein Shisha-Café nur für Frauen. „Das Frauen Café“ in Berlin bietet vor allem Muslima die Möglichkeit, sich in einem geschützten Raum mit anderen Frauen zu treffen und dabei eine Shisha zu rauchen.

Über die gesundheitlichen Folgen des Shisharauchens herrscht weitgehend Unwissen. Die Shisha sei weniger schädlich, heißt es, das Wasser filtere Schadstoffe heraus. Das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Shisha ist genauso gesundheitsschädlich wie die herkömmliche Zigarette. In einigen Punkten birgt sie zudem ganz neue Risiken. So kommt es in Shisha-Bars häufiger zu lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Aber immer mehr Shisha-Bars verfügen mittlerweile über Lüftungsanlagen und CO-Melder, um genau das zu verhindern.

Neben der klassischen Shisha mit Kohle und Tabak gibt es auch E-Shishas, die mit der E-Zigarette verwandt sind. Sie kommen teilweise ohne Nikotin aus. Wenn Raucher von der Zigarette auf eine E-Shisha umsteigen, ist das die weniger schädliche Alternative.

Shisha-Bars werden oft mit Clan-Kriminalität in Verbindung gebracht. Die Tatvorwürfe: Tabakschmuggel, Verstöße gegen den Jugendschutz und die Bauvorschriften, Geldwäscherei. Nicht zuletzt dienen Shisha-Bars als Treffpunkte für kriminelle Strukturen.

Eine Hochburg für Clan-Kriminalität ist Nordrhein-Westfalen, hier vor allem die Stadt Essen. Das Innenministerium betreibt die „Taktik der 1000 Nadelstiche“ und hat mittlerweile fast 900 Razzien durchgeführt. 150 Shisha-Bars wurden aufgrund von erheblichen Mängeln sofort geschlossen. Innenminister, Rechtswissenschaftler und Clan-Experten ordnen das Vorgehen ein.

Trotz Clan-Kriminalität und Negativ-Schlagzeilen: Der Shisha-Markt boomt. Denn Jugendliche schätzen in der zunehmend digital geprägten Zeit das reale Zusammensein und den Lagerfeuer-Effekt. Und sie schätzen Rap-Musik, die vorwiegend in den Bars läuft. Da ist es naheliegend, dass immer mehr Rappe ins Shisha-Geschäft einsteigen. Sie vermarkten eigene Shishas oder Tabake. In ihren Musikvideos rauchen sie explizit Shisha.

Und nicht zuletzt hat die Shisha den deutschen Tabak-Anbau gerettet. Die Tabakproduktion war ein vom Aussterben bedrohtes Gewerbe, bis der Shisha-Boom kam. Heute wird die deutsche Ernte fast ausschließlich für die Herstellung von Shisha-Tabak verwendet und ein traditionelles Gewerbe kann weiter bestehen.

In der Dokumentation werden auch die Funktionsweise der Shisha sowie die möglichen Varianten vorgestellt.

Film ansehen
< >